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Ausgebrannt …..

… es gibt aktuell wenige Dinge, die mehr in den Medien auftaucht, was das Wort “Burnout”, zumindest, wenn man von Kosmetik- Werbung oder den Zerrialien bei Nahrungsmitteln absieht … dabei sind die Symptome und die Auswirkungen so zahlreich, wie Sterne am abendlichen, wolkenfreien Himmel……

Es ist eher eine Art Sammelbegriff für Dinge, die durch übermässigen Stress physische oder psychische Reaktionen bei Menschen hervorrufen, die sich nicht so einfach in eine Schublade pressen lassen. Es ist sicherlich auch nichts “neues”, sondern eher etwas lange unterschätztes was den einen oder anderen in den Wahnsinn oder ins Grab getrieben hat, weil Kopf und Körper einfach nicht mehr mitspielen wollten.

Ein schleichender Vorgang beginnt, kaum merklich, gewisse Unbehaglichkeiten werden schnell auf die eigene Tagesform geschoben und nicht wahrgenommen. Über die Zeit stellt sich ein Gewohnheitseffekt ein, man ignoriert alle Signale und sich selbst.

Freunde, Familie, die ersten Hinweise darauf, dass “etwas” mit einem nicht stimmt. Man hätte sich verändert, man würde anders reagieren als früher, genervt, abweisend irgendwie, einer außer einer leisen Kritik hier und da passiert nichts.

Es treten Probleme mit dem Schlaf auf, der Magen rebelliert immer öfter. Selbstverständlich ist auch dafür schnell ein Grund gefunden. Man hat gerade im Privatleben viel Stress, einen sehr schweren Krankheitsfall, einen weiteren schweren Krankheitsfall, einen Todesfall und die damit verbundenen Aufregungen. Auch im Berufsleben gibt es den einen oder anderen Stressauslöser, jedoch, man ist ein harter Hund, so etwas konnte man doch schon immer ab, also die Augen verschlossen und durch. Man beruhigt sich selbst.

Neben dem unruhigen Schlaf kommen immer mehr kleine Wehwehchen hinzu. Dinge, die immer schnell wieder “weggingen”, brauchen nun lange und werden intensiver wahrgenommen, Husten und Schnupfen halten sich ebenso lange, wie eine kleine Zerrung oder andere körperliche “Gebrechen”, man schaltet nicht mehr ab, kommt nicht zur Ruhe.

Kleine Aussetzer gesellen sich dazu. Gedächtnislücken, die auf den ersten Blick als normale “Schusseligkeit” oder “ich komm gerade nicht drauf” erscheinen häufen sich. Das sind Orte, Personennamen, Dinge die man doppelt und dreifach erzählt, die PIN fürs Handy wird vergessen und viele andere Dinge. Man schiebt es auf das Alter, auf den Stress, auf die aktuelle Mondposition aber sucht nicht wirklich bei sich.

Die Hand, bzw. ein einzelner Finger “vergisst” beim Tippen Buchstaben oder man identifiziert die Instrumente im PKW falsch, Namen von Verwandten liegen einem auf der Zunge – kommen aber nicht raus, das alles ist nicht wirklich schlimm und geht auch wieder vorbei, aber irgendwie fängt man an, darüber nachzudenken.

Man sitzt bei einem Kunden und bemerkt ein Stechen. In der Seite. Der Arzt stellt eine Entzündung zwischen den Rippen fest, man bekommt Medikamente … und hat schlaflose Nächte vor sich. Man hat den Eindruck, die Medikamente wirken nicht. Man bekommt stärkere, aber auch die kommenden Nächte hält man vor Schmerzen kaum aus, an Schlaf ist eh nicht zu denken. Die Dosen werden erhöht und Ärzte warnen, das man nicht höher gehen könnte. Also wird es ausgesessen, mit höllischen Schmerzen und nur Schlaf durch Erschöpfung. Es ist offensichtlich … irgendetwas stimmt nicht … und nach sanftem Druck des Partners beginnt man sich der Meinung anzuschliessen.

Ärzte sprechen von einem massiven Stress- Syndrom, ob man viel emotionalen oder beruflichen Stress habe …. nach einem Zögern lenkt man ein, das es den gäbe, aber eigentlich ist man Stress ja seit vielen Jahren gewohnt, wieso sollte man davon nun auf einmal krank werden?

Es ist die Kombination, der Zeitpunkt und ggf. auch, das man keine 20 mehr ist. Der Körper und die Psyche leiden, man selbst erkennt es viel zu spät, ja, man ignoriert sogar mit Stechen in der Brust auf einmal aufrecht auf der Couch zu sitzen und seine Partnerin mit blassem Gesicht anzustarren und zu röcheln “es geht vorbei”. Herzstechen, so etwas kennt man nur vom Hörensagen und nun? Man hat es auf einmal selbst.

Der Hauptstress im beruflichen Bereich und auch privat ist besser geworden, zumindest teilweise, wieso sollte es einem immer schlechter gehen? Dann die Diagnose. Was man tut ist extremst lebensgefährlich. Worte wie Herzinfarkt und Schlaganfall wechseln sich ab. Man müsse Dinge nun radikal ändern, Dinge identifizieren, die dazu beigetragen haben, das man in diese Situation gekommen ist … doch leichter gesagt als getan! Man hat ein Leben, einen Job den man mag, Menschen, die sich privat und im Job auf einen verlassen, was tun?

Man ändert Dinge und hofft auf Besserung, man will allen gerecht werden, aber es reicht nicht, man muss mehr tun, für sich, auf seinen Körper hören, Stress vermeiden. Leichter gesagt als getan. Man ist Teil des Ganzen, man haut Aufgaben zu erfüllen, ToDos landen bei einem, man muss vermitteln um Auseinandersetzungen bei anderen zu verhindern. Im Sinne des großen Ganzen. Aber Abschalten? 1 1/2 Wochen Urlaub, netter Versuch. Hat nicht funktioniert.

Man beschliesst, sich eine komplette Auszeit zu gönnen, sich mit diesem Schritt, zumindest für einen gewissen Zeitraum von den Dingen zu trennen, die einen krank gemacht haben.

Doch man muss Leben können, gewisse Rahmenbedingungen müssen gegeben sein. Man bemüht sich diese zu erreichen und führt Gespräche… doch diese verlaufen nicht so wie gedacht, man greift im letzten Moment auf eine Alternative zurück um einen gewissen Abstand zu bekommen und sich selbst nicht zu gefährden.

Ein Umstand, der bei man anderen Menschen auf Wut und Unverständnis stößt, so können nur Menschen reagieren, die diese Probleme noch nicht hatten…. Kopfschmerzen gehen schnell wieder weg, auch Wunden verheilen schnell, aber die Psyche geht tiefer und man steht der Sache hilflos gegenüber, man muss Dinge ändern, vor allem, wenn das eigene (auch finanzielle) Überleben gefährdet ist. Es ist nicht der Job an sich, es ist das Umfeld, in dem man sich befindet. Schnell wird einem nachgesagt, das es an Personen liegt, nein, die eine oder andere Unstimmigkeit ist normal, interpretiert wird halt schnell von Leuten, die Flurfunk irgendwie “toll” finden oder meinen etwas besser zu wissen.

Groll gegenüber denen, die es nicht akzeptieren können und einen anfeinden? Wäre vielleicht angebracht, weil der eine oder andere solche Dinge einfach “persönlich”  … aber NEIN, denn ich unterstelle, dass sich die Menschen nicht in die Situation hinein versetzen können

Man wirkt nach Aussen normal und kaum auffällig, aber in einem drin herrscht das Chaos. Sogar Kunden und Kollegen fiel auf, das man sich nicht wohl fühlt. Es sind Kleinigkeiten, aber es wird nach Außen sichtbar, das, was man sich selbst zugestehen wollte.

Den Namen Robert Enke wollte ich vermeiden. Aber ein beliebter, gesunder, nach Außen glücklicher Mensch mit großem Erfolg, geht einen Schritt weil ihn Dinge belastet haben … viele fragen sich “warum?” … wer weiss, wie tief sein innerer Graben war? Große Schauspieler, von denen man es nie denken würde, das sie aus irgendeinem Grunde so unglücklich sein könnten, um sich das Leben zu nehmen .. das sind nur Beispiele. Dazu gehört noch eine gehörige Portion Depression.

“Das Ende” lässt sich nicht vermeiden, nur sollte man sehen, das diese noch in weiter Ferne liegt und den Weg dahin nicht absichtlich verkürzt. Man lernt mehr auf sich zu achten und die Welt durch eine andere Brille zu sehen … als die Menschen, die einen nicht verstehen oder eine Entscheidung akzeptieren wollen oder können.

Seit der Weihnachten gefällten Entscheidung lässt sich eine ganz leichte Verbesserung spüren, es ist ein Weg den es zu beschreiten gilt.

 

 

 

 

 


One Response

  1. Martin Schmidt sagt:

    Hallo Uli,
    dieser Artikel spricht mir voll aus dem Herzen, da auch ich zu denen gehöre, die all das mitgemacht haben, was Du beschrieben hast. Ich habe die Chance bekommen, eine mehrwöchige Reha über mich ergehen lassen zu dürfen. Das war das Beste, was mir passieren konnte. Dort wurden mir (neue) Wege gezeigt, wie ich mit meiner Situation umgehen kann. Auch habe ich eingefahrene Pfade verlassen und neue Perspektiven für mich gefunden. Dies alles ging aber einher mit Trennungen von Personen, die mit allem gerechnet hatten, nur damit nicht. Aber jetzt gehe ich meinen Weg, denke zum ersten Mal in meinem Leben zuerst an mich!
    Aber es ist ein langer und steiniger weg …
    Gruß Martin

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